Überraschungsgeschenke von Dolores Mey

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  • 978-3-987187-40-1
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Produktinformationen "Überraschungsgeschenke von Dolores Mey"

Der Roman Überraschungsgeschenke erzählt die romantische Geschichte einer überdurchschnittlich intelligenten Frau, die in ihrem Beruf zwar sehr erfolgreich ist, aber in der Liebe das Glück missen muss. Hochintelligent zu sein, scheint ihr für eine Frau nicht sonderlich erstrebenswert zu sein. Anstatt, dass die Männer sie in den Arm nehmen, heben sie sie entweder auf einen Sockel oder setzen sie aufgrund ihrer Unerfahrenheit der Lächerlichkeit aus. Cathi resigniert. Sie hat keine Lust mehr auf frustrierende Erfahrungen und beschließt, sich lieber in die sichere Welt ihrer Bücher zurückzuziehen. Und das, obwohl sie kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag steht.

Cathis beste Freundin Barbara will da nicht länger zuschauen. Sie selbst will die Liebe ihres Lebens heiraten und weiß, wie glücklich man zu zweit sein kann. Ehrensache, dass sie für ihre Hochzeit Cathi zur Trauzeugin wählt. Genau die Gelegenheit, um sie aus ihrem Schneckenhaus zu holen, hofft Barbara und behält recht.

Nicht nur ein Friseurbesuch, sondern auch die Entrümpelung ihres Kleiderschrankes sorgen dafür, dass Cathis Welt aus den Fugen gerät. Sie kann kaum Luft holen, so schnell mausert sie sich zu einer attraktiven Frau, was von den Männern nicht unbeachtet bleibt.

Beschwingt und frohen Mutes plant Cathi ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk für ihre beste Freundin. Doch dafür braucht sie die Hilfe von Tom, dem Trauzeugen des Bräutigams. Tom ist ein ebenso attraktiver wie schwer zugänglicher Schreinermeister. Der beste Freund des Bräutigams ist nicht sonderlich begeistert, die Rolle des Trauzeugen zu übernehmen, doch die Verbundenheit der beiden lässt ihm keine Möglichkeit abzusagen.

Tom ist bei den Frauen sehr beliebt, dabei gehen ihm besonders die, die ihm ständig hinterherhecheln, gründlich auf die Nerven.  Er sehnt sich nach einer echten Partnerin an seiner Seite. Einer Gefährtin, die mit ihm durch dick und dünn geht.

Doch weit und breit ist keine in Sicht.

Als Cathi ihn wegen des Überraschungsgeschenks um Hilfe bittet, vermutet er, dass sie ihm auch nur an die Wäsche will, und reagiert gereizt und unhöflich.

Das Chaos scheint perfekt.

Doch Cathi lässt sich von seiner ungehobelten Art nicht abschrecken. Sie will ihre Freundin überraschen und überwindet ihre Scheu. Zähneknirschend nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen und setzt ihm nach. Wenn der arrogante Kerl nur nicht so unverschämt attraktiv wäre. In ihrer gewohnt strategischen Art, versucht sie, das Problem beim Schopf zu fassen, hat aber das Gefühlschaos nicht eingeplant, dass sie überrollt, als sie bemerkt, wie sehr Tom ihr unter die Haut geht. All ihre bewährten Schutzmechanismen brechen in seiner Gegenwart zusammen.

Aber auch Tom muss sich von seinen Vorurteilen, die er gegenüber der Akademikerin hat, verabschieden. Vorurteile, die sehr viel mit seiner persönlichen Geschichte zu tun haben. Eben diese Geschichte, wegen der er am liebsten der Hochzeit fernbleiben würde. Doch das ist unmöglich.

Es kommt, wie es kommen muss. Tom trifft auf dem Fest auf seinen „Spezialfreund“ Adrian und dessen Familie. Warum nur muss ausgerechnet Adrian sich für Cathi interessieren?


ISBN 978-3-987187-40-1      
Überraschungsgeschenke       
Taschenbuch   
347 Seiten

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Der klirrend kalte Nordwind blies Catherine Lorentz ins Gesicht, als sie die Haustür hinter sich schloss und vorsichtig den vereisten Weg entlang, zur Frankfurter Straße ging. Bis zur Straßenbahnhaltestelle war es nicht weit. Von da aus konnte man den Weinberg sehen. Die felsige Anhöhe ragte, inmitten der Kasseler Innenstadt, in den wolkenverhangenen diesigen Morgenhimmel, der wenig Hoffnung auf einen sonnigen Wintertag machte. Allmählich fing die Stadt an, wach zu werden. Ohne Babs Anruf, hätte sie keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Es musste wichtig sein, wenn sich ihre Freundin mit ihr zum Frühstück treffen wollte. An einem Samstag. Wo ihr doch sonst das Ausschlafen am Wochenende so heilig war. Bei jedem Schritt knirschte der gefrorene Schnee unter ihren Stiefeln. Der Frost ließ den Februar nicht aus seinen Krallen. Cathi, so wurde sie von den meisten gerufen, konnte sich nicht erinnern, wann es zuletzt eine so lang anhaltende Kälte gab. Im kommenden September stand ihr 30. Geburtstag an, und in ihrer Erinnerung fand die weiße Pracht nur im jährlichen Skiurlaub in Österreich statt.

An der mit durchsichtigem Kunststoff überdachten Haltestelle angekommen, blickte sie über den immer dichter werdenden Straßenverkehr und atmete tief durch. Dreißig. Das Datum lag ihr schwer im Magen. Nicht wegen des Älterwerdens, nein, das war nicht das Problem. Sie hasste es einfach nur, im Mittelpunkt zu stehen. Doch genau das würde passieren, wenn es zu einer größeren Party käme. Wieso konnte keiner verstehen, dass ihr an dem Brimborium nichts lag. So ist das eben mit runden Geburtstagen, die feiert man, hatte ihre Mutter, Cornelia Lorentz, zu dem Thema nur lachend gemeint. Ich bin aber nun mal nicht so, versuchte Cathi, sich zu rechtfertigen, was aber ohne Wirkung blieb. Cornelia liebte es, zu feiern und Gäste einzuladen. Vor allem genoss sie es, solche "Events" zu planen, um sie dann geradezu zu zelebrieren. Da war es nur logisch, dass sie eine Geburtstagsparty für selbstverständlich hielt. Wenn sie einlud, verdiente sogar jedes schlichte Kaffeetrinken, den Namen Fest. Cathi kam in der Hinsicht so gar nicht nach ihr. Selbst Babs schlug sich bei diesem Thema auf Cornelias Seite und blies mit ihr in ein Horn. Gott sei Dank gingen bis September noch ein paar Tage ins Land. Gut sieben Monate. Cathi stand der Sinn stattdessen, viel mehr nach verreisen. Spontan fiel ihr Südfrankreich ein. Bilder und Erinnerungen, die aus ihrer Jugend stammten, tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Schöne und weniger Schöne. Vor allem Bittersüße. Gedankenverloren ging sie vor der menschenleeren Haltestelle auf und ab. Leise pfiff der Wind durch die offenen Stellen, unter und über den Seitenwänden. Nur allein der Gedanke, sich auf die kalten Plastikstühle setzen zu müssen, ließ sie frösteln. Lieber zählte sie Asphaltflecken, die frei getreten, zwischen Rollsplitt und vereister Schneedecke, hervorlugten. Dabei kam ihr die Geburtstagsdebatte mit Babs wieder in den Sinn.  

"Mensch, jetzt sei kein Frosch. So eine Party macht doch Spaß. Ich helfe dir beim Organisieren.", hatte Babs sie beschwörend angesehen.

"Aber du kennst mich, ich bin nicht gerade die Ausgeburt einer Stimmungskanone.", konterte Cathi.  

"Du musst doch nicht selbst den Clown geben. Dafür gibt es andere."

"Meinst du, das passt zu mir? Auf gar keinen Fall möchte ich eine Fete, auf der das einzige Highlight die Menükarte und das anschließende Essen ist."

"Blödsinn", rief Babs entrüstet und ließ Cathi erst gar nicht zu Wort kommen.

"Wenn ich dir bei der Planung helfe, gibt es kein Seniorentreffen, da kannst du dich drauf verlassen." 

"Okay, ich denke darüber nach." 

"Findest du nicht auch, dass es an der Zeit ist, einiges in deinem Leben zu überdenken und zu ändern? Kevin ist es nicht wert, dass du dich so verkriechst. Der runde Geburtstag wäre eine gute Gelegenheit, um endlich einen Schlussstrich unter die ganze Geschichte zu setzen."

 Babs eindringlicher Blick, eine Mischung aus Herausforderung und Besorgtheit, stand Cathi bis heute vor Augen. Dass die Freundin mit den offen ausgesprochenen Bedenken richtig lag, stand nicht zur Diskussion. Cathi wusste selbst, dass es an der Zeit war, ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Bestimmt würde sie es im umgekehrten Falle genauso machen. Ehrensache unter besten Freundinnen, ganz klar. Doch Cathi fand einfach keinen Weg aus dem Dilemma. Noch immer verspürte sie nicht den geringsten Drang, abends wieder um die Häuser zu ziehen, auch wenn die Sache mit Kevin bereits mehr als zwei Jahre zurücklag. Sicher, der Schmerz war überwunden, der Katzenjammer überstanden - nur die Angst vor erneuter Enttäuschung blieb. Cathi liebte es, die Dinge zielstrebig und strategisch anzugehen. Doch für eine derartige Krise ließ sich kein Überwindungsplan erstellen. Allein diese Einsicht war für sie schon schwer genug. Das wusste jeder, der sie näher kannte.

Das Donnern der heranfahrenden Straßenbahn holte sie zurück in die Gegenwart. Verwundert fragte sie sich, wie sie ausgerechnet heute Morgen auf das Thema kam.

Die Nachricht, die Babs ihr auf die Mailbox gesprochen hatte, fiel ihr wieder ein. Dann machte es Klick. Die Stimme. Ja richtig! Ihre Stimme. Genauso aufgeregt hatte sie geklungen, als es um die Debatte wegen des Geburtstags ging. 

"Du musst unbedingt kommen! Es ist superdringend. Ich habe Neuigkeiten. Bitte sag alles andere ab, ja!? Am Samstag um 11 im Café Paula. Ich freu mich. Bis dann."

Die Straßenbahn fuhr vor und Cathi stieg in der Mitte ein. Der Wagon war gut gefüllt. Hinter einem blonden, schlaksig wirkenden jungen Mann, der mit Kopfhörern im Ohr im Sitz hing, fand sie schließlich noch einen freien Platz. Aus den kleinen Stöpseln drang unüberhörbar Hip-Hop-Musik, zu der er mit geschlossenen Augen den Kopf im Takt bewegte. Irgendwie erinnerte der Typ sie an ihren Laborkollegen Stefan. Er war genauso hager. Doktor Stefan Lugner, Anfang dreißig, einerseits verschlossen und wortkarg, konnte andererseits eine ziemliche Nervensäge sein. Wenn er mal redete, versuchte er, witzig zu sein - ironisch witzig. Doch es gelang ihm nur selten, seine Kollegen zum Lachen zu bringen, was einem intelligenten Mann, wie ihm, natürlich nicht entging - weshalb er dann wieder schwieg. Vor ihrem inneren Auge sah sie, wie der schlaksige, dunkelhaarige Mann - er trug meistens übergroße Kittel - durch das Labor schlurfte. Dass er beim Laufen Geräusche verursachte, fiel ihm in seiner Konzentration auf die wesentlichen Dinge - seine Arbeit - gar nicht auf. Aber Bewegung im Allgemeinen war nicht so sein Ding, sinnierte Cathi. Davon, dass er irgendeine Sportart betrieb, hatte er noch nie erzählt. Kein Wunder, so dünn wie er aussah. Es war wirklich kaum zu glauben, dass sich hinter dieser Fassade ein promovierter Doktor der Chemie verbarg. Ein Genie - ein wandelndes Lexikon. In seinem Fach machte ihm keiner etwas vor. Cathi hatte es aufgegeben zu ergründen, wie solche extrem verschiedenen Wesenszüge in einer Person nebeneinander existieren konnten. Dennoch empfand sie die Kombination faszinierend. Ruckelnd setzte sich die Bahn in Bewegung. Cathi vergrub die Hände in den Jackentaschen. Gedankenverloren starrte sie nach draußen. Weißgepuderte Bäume und Sträucher zogen vorüber, während die Bahn schwerfällig den Hügel der Innenstadt erklomm. Kurz vor der Haltestelle, am Rathaus, warf sie einen Blick auf ihre Armbanduhr und lächelte. Es blieb noch genug Zeit, um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. 

Wenig später erreichte sie das lichtdurchflutete Einkaufszentrum in der Königsstraße. Warme Luft blies ihr unangenehm ins Gesicht, als sie eilig durch das gläserne Portal lief. Mehrere Etagen voller schicker Geschäfte luden zum Shopping ein. Doch das war nicht das, was Cathi interessierte. Ihre Schritte verstummten auf dem Teppich der Büchergalerie. Sofort fühlte sie sich zu Hause. Da konnte sie einfach nicht widerstehen, auch wenn die Zeit noch so knapp war. Nur mal kurz stöbern. Zielstrebig ging sie in Richtung der Naturwissenschaften. Albert Einstein war ihr erklärter Favorit, wobei sie weniger die Entdeckungen beeindruckten, sondern vielmehr seine philosophische Ader. Bei den Biographien fand sie, was sie suchte. Und schon steckte sie mit dem Kopf zwischen den Seiten. Die Welt um sie herum versank. Erst, als der Geräuschpegel im Laden zunahm, sah Cathi erschrocken auf die Uhr. Zwanzig vor elf. Puh, noch mal Glück gehabt. Sie atmete erleichtert auf. Wie schnell die Zeit verging. Eilig schob sie den dicken Einband wieder zu den anderen und rief sich den Anblick ihres Schreibtischs daheim in Erinnerung. Mindestens fünf ungelesene Wälzer lagen dort aufgestapelt, inmitten von Zeitschriften und Ausdrucken aus dem Internet. Nicht zu vergessen, die Bücher, die sie in die Stadtbibliothek zurückbringen musste. Sie seufzte. Erst vor einem Monat hatte sie ein neues Regal aufgestellt. Babs zog sie regelmäßig damit auf, wenn sie scherzhaft anmerkte, dass Cathi eine Bücherei mit Küche und Bad bewohne. 

Notgedrungen hatte Cathi sich deshalb selbst ein Versprechen abgerungen. Keine weiteren Bücher mehr! Auch wenn´s noch so schwerfiel. 

Rechtzeitig betrat sie das gut besuchte Café Paula. Gleich im Eingangsbereich befand sich eine stubengroße Nische, die eher einer Bäckerei als einem Café glich. Neben frischen Backwaren gab es auch Kaffee und Kuchen zu kaufen. Vor dem Tresen bildete sich eine Traube von Kunden, und das, obwohl die beiden Bedienungen im Akkord Brötchen in die Tüten packten. Cathi zwängte sich an den wartenden Leuten vorbei und kam fast augenblicklich wieder zum Stehen. Als sie sich umsah, musste sie feststellen, dass der Andrang zum Café keineswegs geringer war. So schob sie sich mehr stehend als gehend durch die Menge. Wahnsinn, wie viele Menschen samstagmorgens auswärts frühstückten, dachte sie, als ihr der Duft von frischem Kaffee und warmer Hefe in die Nase drang. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen und ihr Magen meldete geräuschvoll Hunger an. Plötzlich, gerade als sie den Reißverschluss ihrer Jacke nach unten zog, berührte sie jemand von hinten an der Schulter und rief ihren Namen. Überrascht drehte sie sich um. Den, vor ihr stehenden, Mann - gut aussehend, mit blauen Augen und blonden kurzem Haar - konnte sie allerdings nur mit einem großen Fragezeichen im Gesicht ansehen. So einen, vor Kraft strotzenden, Typen kannte sie nicht. Nur seine Stimme kam ihr irgendwie bekannt vor, aber…

"Du weißt nicht, wer ich bin, stimmt´s?" 

Cathi schüttelte bedauernd den Kopf. "Nein, tut mir leid. Keinen Schimmer."

Der athletische Unbekannte zog sie etwas zur Seite, weil sie den Durchgang zur Caféstube blockierten. Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern bedankte sich dafür, denn nun kam sie vorbei. An einer ruhigeren Stelle blieb er, mit einer Brötchentüte und einem Päckchen gemahlenen Kaffee im Arm, stehen.

"Ich bin´s, Malte", grinste er sie an, "Malte Vogt, erinnerst du dich?" 

Cathi machte große Augen und zog die Stirn kraus. Malte? Dann fiel es ihr wieder ein. Natürlich, der Schulfreund ihres älteren Bruders Cedric. Cathi sah ihn ungläubig an. Der kleine dünne Malte. Was war heute nur los. Erst wollte Babs mit ihr an einem Samstagmorgen frühstücken gehen und jetzt Malte. Im Geiste sah sie ihn als Schulkind vor sich. Malte, als ständiger Begleiter ihres Bruders, war gern und oft bei ihnen zuhause gewesen. So oft, dass man den Eindruck haben konnte, dass er sich nur ungern in seinem Elternhaus aufhielt.

"Hin und wieder telefoniere ich noch mit Cedric", hörte sie ihn sagen, wobei er eine verschämte Grimasse zog. "Aber in letzter Zeit war ich ziemlich beschäftigt."

"Wahnsinn!", brachte Cathi endlich hervor, und schlug sich gleich darauf die Hand vor den Mund. "Entschuldige ...  nur ... ich hätte dich wirklich nicht wiedererkannt. Du hast dich ja ganz schön verändert."

Malte lachte und nickte. Diese Reaktion schien er gewohnt zu sein.

"Du dagegen gar nicht. Na ja, natürlich sieht man, dass du älter geworden bist. Aber ansonsten …."

"Ja, ein bisschen älter ist gut. Das sind mindestens zehn Jahre, in denen wir uns nicht mehr gesehen haben."

"Elf, um genau zu sein. Ich bin sofort nach meiner Zivi-Zeit nach Köln gegangen. Und du? Was hast du gemacht?"

"Gleich nach dem Abi nach Marburg. Und jetzt arbeite ich in Melsungen."

"Bei dem Chemiekrösus?"

"Das trifft´s zwar nicht ganz, die haben mehr mit Medizin als mit Chemie zu tun, aber ja, wenn du es so nennen willst, dann bei dem Chemiekrösus. Und du? Was treibt dich heute Morgen hierher?"

"Ich bin bei meiner Schwester. Du kennst Wiebke?"

"Na klar. Wir waren doch zusammen in der Musikschule. Und, was ist aus ihr geworden?"

"Sie studiert Musik. Geige und Klavier, hier am Konservatorium. Ist aber fast fertig." Er machte eine kurze Pause, verlagerte die Tüten von einem Arm auf den anderen. Dabei fielen ihr seine Hände auf. Kräftige Männerhände, denen man zutraute, dass sie zupacken konnten. Nicht zu glauben, wenn sie daran dachte, wie schmächtig und zart er früher ausgesehen hatte.

"Ich komme wieder zurück nach Kassel. Stecke mitten in Verhandlungen, deshalb bin ich bei Wiebke." 

Sie sah ihm in die Augen. "Oh, schön. Was machst du eigentlich jetzt? Tut mir leid, aber ich hab vergessen, welche Studiengänge du gewählt hast. Wolltest du nicht auch Lehrer werden, so wie deine Eltern?" Falsche Frage, dachte Cathi, als sich auf Maltes Stirn Falten zeigten und sie daran denken musste, wie sehr er es stets vermieden hatte, über seine Familie zu sprechen. 

"Nee, ganz sicher nicht", schüttelte er energisch den Kopf. "Das hätten sie gern gehabt, ja, aber ... nein, unmöglich, das ist nix für mich. Ich habe mich bei BWL und Sport eingeschrieben."

"Das sieht man", platzte es erneut aus Cathi heraus und sie lachte unwillkürlich auf. "Es scheint die richtige Wahl gewesen zu sein. Verrätst du, was du vorhast?"

Er ging auf ihr Lachen ein. Seine Züge entspannten sich wieder, jetzt, wo er über seine Pläne sprechen konnte.

"Kein Problem. Wenn alles klappt, übernehme ich ein großes Studio. Fitnessstudio meine ich. Es gehört zu einer Kette, die in ganz Deutschland vertreten ist. Da geht es um mehr, als nur Fitness. Vor einem Jahr habe ich noch den Physiotherapeuten abgeschlossen, so ist das Paket jetzt rund und ich kann richtig loslegen."

"Respekt!", Cathi brach ab, weil sie einen vorbeigehenden Mann zu seiner Frau sagen hörte: "Es ist gerade mal elf, da werden wir ja wohl noch einen Platz finden". Sie schob ihren Jackenärmel hoch und sah auf die Uhr. Tatsächlich, 11 Uhr. "Tut mir leid." Sie sah Malte mit einem bedauernden Blick an. "Aber ich bin mit Babs verabredet. Sie wartet garantiert schon. Du weißt, wen ich meine, oder?"

"Oh ja, natürlich, die schöne Barbara. Grüß sie von mir." Er hob die freie Hand. "Ich bin sicher, es finden sich noch genug Gelegenheiten zum Reden. Also, bis dann. Man sieht sich."

Cathi nickte. "Ja, das denke ich auch. Tschau."

Im Café war ein ständiges Kommen und Gehen. Die Bedienung jonglierte schwer beladene Tabletts durch voll besetzte Tische. Während Cathi den braunen Kaschmirschal von ihrem Hals löste, hielt sie, vorn bei den Fensterfronten, Ausschau nach ihrer Freundin. Babs liebte es, Leute zu beobachten.

"Hier bin ich!", hörte sie die vertraute Stimme und folgte ihr in den hinteren Teil des Cafés.

"Was ist denn mit dir los, war kein Fensterplatz mehr frei?

Cathi hing Jacke und Schal über den Stuhlrücken und setzte sich Babs gegenüber.

"Vorn war alles schon besetzt. Außerdem wollte ich mit dir allein am Tisch sitzen.

"Sorry, dass ich ein bisschen spät bin. Du errätst nicht, wen ich eben getroffen habe."

Babs sah sie abwartend an.

"Malte Vogt. Er wollte gerade raus, als ich reinkam. Hat Brötchen geholt." Cathi zog die Augenbrauen hoch. "Du würdest ihn nicht wiedererkennen. Wirklich! Ich kann´s immer noch gar nicht fassen, wie sehr er sich verändert hat."

"Wie denn?"

"Absolut durchtrainiert, wie ein Spitzensportler, mehr als einen Kopf größer als ich und ganz schön attraktiv! Du weißt doch noch, wie er früher aussah, oder?"

Babs nickte. "Ziemlich dünn und schmächtig."

"Tja, wirklich erstaunlich." Cathi lächelte. "Aber jetzt zu dir. Erzähl! Du klangst so aufgeregt?" Aufmerksam sah sie ihre Freundin an. Seit Wochen hielten sie den Kontakt mit Whats-App-Mitteilungen oder Telefonaten. Für mehr reichte die Zeit, bei einem anspruchsvollen Job, nun mal nicht.

Babs sah trotzdem, wie stets, fantastisch aus. Die Kleidung sportlich schick, die blonden mittellangen Haare modern geschnitten. An ihr sah einfach immer alles perfekt aus. Wahrscheinlich würde sie sogar in einem Kartoffelsack noch elegant aussehen. Leider besaß Cathi dieses untrügliche Gefühl für den eigenen Stil nicht. Nach zahlreichen Fehlkäufen beschloss sie, keine Kapriolen mehr zuzulassen, und beschränkte sich auf zeitlose Kleidung, bei der man nicht viel falsch machen konnte. Trotz der augenscheinlichen Unterschiede verband die beiden Frauen, seit dem Kindergarten, eine innige Freundschaft. Cathi, auch schlank, aber nicht ganz so groß wie Babs, bändigte die vollen dunklen Locken meistens in einem geflochtenen Zopf, wodurch ihr schmales Gesicht mit den braunen Augen zu ernsthaft wirkte. Hinzu kam, dass ihre Arbeit in der Forschung sterile Kleidung und eine Kopfhaube erforderte, was Cathis ohnehin entwicklungsbedürftiges Modebewusstsein nicht sonderlich förderte. Babs dagegen - als Rechtsanwältin - musste ihrer Garderobe von Haus aus mehr Beachtung schenken.

"Was hast du denn jetzt wieder für einen ernsten Blick drauf, Frau Doktor?"

Cathi hob die Schultern und setzte ein Lächeln auf. Sie wollte keine schlechte Stimmung aufkommen lassen.

"Ach, nein. Es ist nichts", sie zog eine Grimasse und machte eine wegwerfende Geste. "In deiner Gegenwart fühle ich mich nur wie eine graue Maus ...  ist aber nicht dein Problem ... kennst du  ... und außerdem wollen wir darüber jetzt nicht reden". Die Handbewegung für einen klaren Schnitt unterstrich ihre Meinung dazu. "Erzähl mir vielmehr, was es Neues gibt. Du hast es ja auf der Mailbox ganz schön spannend gemacht."

Babs ließ einen kurzen Blick über Cathis beigefarbenen Pulli und die klassische Jeans wandern. Die Farbe machte sie blass und ließ sie ein wenig krank aussehen.

"Und wie oft habe ich schon angeboten, mit dir einkaufen zu gehen?"

"Es ist halt immer das Problem mit der Zeit", versuchte Cathi, sich herauszureden.

Babs ging darauf nicht ein und warf ihr nur einen Du-spinnst-doch-Blick zu.  

 

Dann überzog ein verschmitztes Lächeln ihr Gesicht und sie beugte sich über den Tisch, damit Cathi, inmitten des Stimmengewirrs ringsherum, auch die Gelegenheit bekam, jedes Wort zu verstehen. Bloß kam die Kellnerin genau in dem Moment an den Tisch und unterbrach, bevor Babs erzählen konnte. Die beiden bestellten das Frühstück.

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Kundenbewertungen für "Überraschungsgeschenke von Dolores Mey"
29.11.2017

Überraschungsgeschenke – wirklich überraschend
Catherine (Cathi) Lorentz soll bei der Hochzeit ihrer Freundin Barbara (Babs) und Nick als Trauzeugin fungieren. Nick wiederum möchte seinen Pflegebruder Tom als zweiten Trauzeugen dabei haben. Tom sagt zu. Aber als Cathi ihm vorschlägt, gewissermaßen als Überraschung eine Hochzeitszeitung zu gestalten, erweist er sich alles andere als hilfreich oder gar begeistert. Cathi nervt das gewaltig, und dennoch übt dieser Schreiner einen magischern Zauber auf die erfolgreiche Frau aus ...
Natürlich werde ich jetzt nicht schon die ganze Geschichte verraten, aber eines ist gewiss: Ja, es handelt sich hierbei um eine romantische Liebesgeschichte, phantasievoll, sinnlich, spannend auch. Wer allerdings Kitsch in diesem Roman sucht, wird ihn nicht finden, dafür umso so mehr echte Gefühle, die den Leser in ihren Bann ziehen. Klare Empfehlung von mir für diesen leicht und locker geschriebenen heiteren Sommeroman - hinter dem professionellen Cover!

25.11.2017

Ich habe nun innerhalb kürzester Zeit alle drei Bücher von Dolores Mey gelesen, genauer gesagt, ich habe sie regelrecht verschlungen.
Mit ihrem lebendigen und sehr gefühlvollen Schreibstil hat sie bei mir wieder genau den richtigen Nerv getroffen und ich fühlte mich durchgehend bestens unterhalten.
Was Dolores Mey einfach ausmacht, ist, dass sie bei ihren Romanen so richtig schön in die Tiefe geht.
Oberflächliches Geplänkere hat man hier wirklich nicht zu befürchten.
Die Hauptprotagonisten werden so detailliert und liebevoll beschrieben, dass man sie direkt vor sich sieht und eine enorme Verbundenheit zu ihnen aufbaut.
Allen voran Cathi ......sie hat sich sofort in mein Herz geschlichen und ich habe mit ihr die Achterbahn der Gefühle durchlebt. Natürlich haben die unterschiedlichen Charaktere auch wieder interessante Geschichten im Gepäck, die den Leser derart fesseln, dass man das Buch einfach nicht zur Seite legen kann.
Hierbei haben mich vor allem die inneren Barrieren fasziniert, mit denen sich die Protagonisten auseinandersetzen mussten, um ihrem Ziel näherkommen zu können.
Die Liebesgeschichte wird auf eine ganz bezaubernde Art und Weise beschrieben.
Ich habe jeden einzelnen Schritt, jede Weiterentwicklung genossen und habe das Prickeln in der Luft förmlich gespürt.
Doch neben gaaanz viel Gefühl, gibt es auch noch eine ordentliche Portion Spannung und auch humorvolle Szenen werden nicht außer Acht gelassen.
Als I-Tüpfelchen gibt es noch besonders schön beschriebene erotische Szenen.
Am Ende steigt der Spannungsbogen nochmal ordentlich an und man hofft, dass Cathi "heil" aus der Situation herauskommt.
Ob ihr das gelingt, dürft ihr nun herausfinden.........!!!!
Ich kann diese wunderbare, zu Herzen gehende Geschichte wirklich nur weiterempfehlen und vergebe gerne 5 wohlverdiente Überraschungssterne.

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