Herz-Rasen von Dolores Mey eBook

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Produktinformationen "Herz-Rasen von Dolores Mey eBook"
Die Geschichte erzählt in wechselnden Perspektiven von vier jungen Leuten, die wie alle anderen in ihrem Alter, auf der Suche nach Erfolg, Glück und Liebe sind.

Unter ihnen Erik, ein vom Verletzungspech geplagter ehrgeiziger Profifußballer, der Opfer einer Intrige wird. Auf drastische Weise muss er erkennen, dass es weitaus Schlimmeres gibt, als ein wichtiges Spiel zu verlieren. Nichtsahnend erwacht er in einem Hotelzimmer neben einer Minderjährigen, die er noch nie zuvor gesehen hat. Das allein wäre schon genug, hätte nicht die Presse davon Wind bekommen.

Auf der Suche nach den Hintergründen hilft ihm nicht nur sein Kumpel, ein Ex-Profi und Weiberheld, sondern auch die alleinerziehende und total frustrierte Mona. Aber da ist auch noch Monas Freundin, eine bislang erfolglose Journalistin, die endlich die Story ihres Lebens schreiben will. Eine, die das ganze Land liest. Bei der Aufklärung entdecken die Vier viel mehr als nur miese Machenschaften.

 



ISBN 978-3-987187-43-2
Herz-Rasen
Taschenbuch
516 Seiten

Format: ePub, Kindle, Taschenbuch
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Sebastian Berger | 34 Jahre | Ex-Profi | geschieden | Kassel, Hessen

Sebastian saß am Schreibtisch und startete einen dritten Anlauf, um die Teilnehmerliste für das Promifußballspiel durchzugehen, das im Rahmen der Eröffnungsfeier stattfinden sollte. Noch immer hatten nicht alle zugesagt. Das Spiel, bei dem sich nur bekannte Profifußballer ein Stelldichein geben sollten, war das Sahnehäubchen für den Eröffnungstag. Die Promis – von denen einige noch in der Liga spielten, während andere, ebenso wie er, sich bereits in einem Leben danach eingerichtet hatten – kannte er aus vielen Zusammenkünften, die sich in einer Profilaufbahn selbstverständlich ergaben. Unter der Rubrik Freundschaften konnte man diese Verbindungen allerdings nicht verbuchen. Eher so, wie ein Verhältnis unter Arbeitskollegen. Sebastian schmunzelte. Er freute sich. Durch das Spiel würde ein wenig die Stimmung aufkommen, die er aus der Zeit kannte, als er noch aktiv gewesen war. Und außerdem würde ihm die Gaudi eine Publicity schenken, die er gut gebrauchen konnte. 

In diesen Tagen einen Moment für Ruhe und Konzentration zu finden, war angesichts des Lärms, der aus allen Ecken des Gebäudes dröhnte, ein beinahe unmögliches Unterfangen. Sein Traum, das Betreiben einer Fußballschule mit Indoorhalle, sowie ein Sport- und Fitnesscenter, das über die Angebote der anderen Studios hinausging, nahm um ihn herum Formen an. Endgültig vom Lärm genervt, der seine mangelnde Konzentration noch verstärkte, sprang er auf und lief durch den Raum. Vor einer gläsernen Wand blieb er stehen. Da sich das Büro im ersten Stock befand, konnte er direkt auf die Fußballhalle blicken und die Männer beaufsichtigen, die mit den Abschlussarbeiten an der Wandverkleidung beschäftigt waren. Heute sollten sie fertig werden. Endlich. Mit einem Monat Verspätung! Doch damit war das Tohuwabohu noch nicht vorbei. Die vielen anderen Handwerker, die alle umherwuselten und letzte Handgriffe anlegten, hatten mindestens noch eine Woche zu tun. Das jedenfalls waren die Worte des Bauleiters gewesen. Was dann hieß: Dass die Fliesenleger, die Maler und letztendlich die Firma –  die das Studio mit Geräten bestückte – sich gegenseitig behinderten und immer dem anderen die Schuld für weitere Verzögerungen gaben. Gar kein Gedanke daran, dass der Trupp für die Endreinigung schon mit den Hufen scharrte, und das zu guter Letzt alle Sportstätten noch für die Feierlichkeiten dekoriert werden mussten. Es war zum Haare raufen. In vierzehn Tagen sollte die Eröffnung stattfinden. Der Termin stand wie in Stein gemeißelt. Die Einladungen – auch die für die Presse – waren draußen. 

Sebastian atmete schwer. 

Tolle Zukunftspläne schmieden, war das eine – und das andere –  die Umsetzung. Dabei hatte er den Zeitraum schon sehr großzügig bemessen. Hatte zusätzlich noch ein Vierteljahr Pufferzone anberaumt. Verdammt, und trotzdem kam er jetzt in die Bredouille. Doch für die Verwirklichung seines Traumes würde er jede Hürde nehmen. Das hatte sich seit seiner Kindheit nicht geändert. 

Mit fünf trat er das erste Mal an den Ball und war sofort vom Fußballfieber infiziert. Unheilbar, bis heute. Als vierzehnjähriger bekam er, dank seines damaligen Trainers, Horst Ziegler, die Chance, richtig in den Fußballzirkus einzusteigen. Einmal dabei, immer dabei. Und er wollte auch gar nicht mehr weg. Dieser Sport war sein Leben. Das Alpha und Omega. Das Mantra, hinter dem sich alles fügen musste. Absolut alles. Die Natur hatte ihm das Talent dafür in die Wiege gelegt. Das allein reichte aber nicht. Der Spaß am Spiel war nur eine Voraussetzung, um erfolgreich sein zu können. Doch darüber hinaus brauchte man Ehrgeiz, Disziplin und – die Gunst der Götter. Also Glück. Konkret ausgedrückt: Ohne Förderer lief nichts. 

Bei ihm war das Horst Ziegler gewesen. Ein ewiger Junggeselle, der sein Leben dem Fußball zu Füßen legte. Stets auf der Suche nach Talenten arbeitete er schon früh als Scout im Auftrag großer Vereine. Er war sein Coach, sein Berater und engster Vertrauter. Und nun auch sein Geschäftspartner. Horst nahm bei Sebastian die Rolle der Vaterfigur ein. Das ging so weit, dass er gemeinsam mit ihm Kassel verließ, um Sebastians Werdegang im Westen des Landes zu fördern. 

Natürlich hätte er ohne Sebastians eigenen Ehrgeiz nichts ausrichten können. Doch der Junge aus sozial schwierigen Verhältnissen besaß die nötige Disziplin und den Biss, weiterzukommen. Außer dem Wunsch, sein Hobby zum Beruf machen zu können, bot sein verkorkstes Elternhaus genug Motivation, um im wahrsten Sinne des Wortes am Ball zu bleiben. Das Ergebnis von all dem war eine steile Karriere, die Sebastian im letzten Jahr – nach einer Reihe von Verletzungen – knapp 34-jährig beendete. 

Doch bloßer Müßiggang entsprach einfach nicht seinem Lebensmotto. 

Seit langem formten sich Zukunftsvisionen wie einzelne Puzzleteile zu einem Bild. Ganz besonders die Förderung im Kinder- und Jugendfußball lag ihm am Herzen. Immer vor Augen, wie viel Glück er selbst gehabt hatte, war es ihm ein dringendes Bedürfnis weiterzugeben, wovon er selbst so sehr profitieren konnte. Er wollte sich gar nicht erst ausmalen, was ohne Horst aus ihm geworden wäre.

Das Betreiben der Sportstätte in Kassel, seiner alten Heimat, war nur der Anfang, bei dem es nicht bleiben sollte. Wie schon so oft in seinem beruflichen Leben, bescherte ihm der Zufall, das fehlende Puzzleteil im richtigen Moment. Genau das, was er zur Verwirklichung seiner Pläne benötigte. Als er vom Verkauf eines leerstehenden Möbelhauses hörte, griff er, ohne zu zögern, sofort zu. Er gestaltete das in die Jahre gekommene Gebäude so um, dass man es kaum mehr wiedererkannte.

Neben den wichtigen Trainerlizenzen, die er im Laufe der Jahre erworben hatte, stand Horst mit unbezahlbaren Kontakten und einem grenzenlosen Erfahrungsschatz zur Verfügung.

Das Telefon klingelte und holte ihn aus seinen Gedanken. 

„Berger.“

„Hey Sportsfreund. Sorry, dass ich jetzt erst anrufe, aber ich war die letzten zwei Wochen im Urlaub.“ 

„Erik, altes Haus, schön dass du dich meldest. Macht doch nichts. Hauptsache, du lässt überhaupt was von dir hören. Und? Ich hoffe, du bist dabei?“

„Na klar. Was denkst du denn? Das lass ich mir doch nicht entgehen. Ist doch Ehrensache.“

„Perfekt, so will ich dich hören.“

„Wer kommt noch alles?“

„Warte, lass mich überlegen.“ Sebastian zählte einige ausgediente Bundesliga- und Exprofis auf, die Erik nur vom Namen her kannte. „Aber es haben noch nicht alle zugesagt. Viele schon. Na ja, das kennst du ja. Ein bisschen Schwund ist immer dabei“, lachte er, „das muss man einkalkulieren.“

„Logo. Auf mich kannst du aber zählen. Wir sehen uns. Ich freu´ mich.“

„Ich auch. Bis dann.“ Sebastian sah auf, weil Horst Ziegler zur Tür hereinkam. 

„Ja, prima“, verabschiedete er Erik, „die Adresse hast du. Danke für den Rückruf. Bis dann.“

Sebastian drückte den roten Knopf und wandte sich dem drahtigen Endfünfziger zu, der ihn ruhig mit ernster Miene betrachtete. 

„Und? Läuft alles, oder gibt´s schon wieder ein Problem?“ 

„Nein, nein. Alles bestens. Die Männer kommen gut voran.“ 

Zwischen Sebastians bernsteinfarbenen Augen bildete sich eine Falte. „Und warum werde ich dann das Gefühl nicht los, dass du was Unangenehmes auf Lager hast? Komm, sag schon. Wenn du so ein Gesicht machst, ist doch irgendwas im Busch.“

Horst zögerte. Verlagerte das Gewicht von einem Bein auf das andere und blickte immer wieder auf mehrere Blätter, die er in der Hand hielt.

„Mensch, jetzt machs nicht so spannend. Hab ich vergessen, die Stromrechnung zu bezahlen, oder was ist um Himmels willen passiert?“ 

„Nein, natürlich nicht.“ Horst hielt ihm das oberste Blatt hin –  eine ausgedruckte Mail – und sah ihn forschend an. 

„Schön, haben wir die ersten Anmeldungen für die Fußballschule?“ Sebastians überflog das Papier, auf dem ein Familienfoto mit zwei Jungen im Alter zwischen acht und zehn zu sehen waren.

„Vielleicht. Kommt drauf an.“ 

Stirnrunzelnd sah er noch einmal flüchtig über die Mail.

„Was ist los, Horst? Wir waren uns doch einig, dass du die Auswahl der Kinder triffst, die angenommen werden. Was soll ich jetzt damit? Du weißt doch, dass ich die Teilnahme und die Unterbringung der Kicker an der Backe habe.“ 

„Ja ja, ist mir klar.“ Horst zögerte. „Doch die beiden Jungs hier“, er tippte mit dem Zeigefinger auf das Foto, „kann ich nicht ohne dein Einverständnis mit reinnehmen.“ Der Blick des Älteren bohrte sich in seine Augen. „Von mir aus sind sie dabei. Sofort. Da muss ich nicht drüber nachdenken… aber du solltest besser wissen, wer sich da anmelden möchte.“

„Hä?“, Sebastian riss Horst das Blatt aus der Hand und betrachtete das Foto genauer. Den Text ließ er unbeachtet. Als er die Frau hinter den beiden Jungs erkannte, hielt er die Luft an.

Lieber Gott, wie lange war es her, dass er sie das letzte Mal gesehen und gehört hatte. 

 

Anne Rehberg | 32 Jahre | Journalistin | ledig | Kassel, Hessen

Anne schaltete den Laptop aus und überprüfte ihre Arbeitstasche. Okay, alles am Platz. Mit einem Seufzer zog sie sich den viel zu dünnen Trenchcoat über und warf einen schnellen Blick nach draußen. Nasskaltes Winterwetter bei null Grad. Völlig normal für Ende Januar. Die Jahreszeit konnte man schließlich nicht dafür verantwortlich machen, dass sie sich keinen wärmeren Mantel leisten konnte. 

Du bräuchtest nur daheim anrufen“, raunte eine kritische Stimme in ihrem Hinterkopf. „Dann wäre der Wintermantel genauso wenig ein Problem, wie eine neue Hose, die Nebenkostenabrechnung, die dringend notwendige Inspektion fürs Auto und so weiter, und so weiter. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.“ 

„Nein!“ Anne schüttelte energisch den Kopf. „Ich weiß selbst“, antwortete sie der imaginären Nervensäge wortlos, „dass mir meine Familie helfen würde. Das haben sie schließlich schon oft genug getan. Aber gleichzeitig darf ich mir dann die ewige Predigt über verpasste Lebenschancen und die falsche Berufswahl anhören.“ 

„Und? Ist es denn nicht auch so? Jetzt sei doch endlich mal ehrlich mit dir selbst. Warum machst du es dir denn auch selbst so schwer? Andere würden davon träumen, im Familienunternehmen einsteigen zu können. Sei doch nicht so blöd!“

 „Dann kann ich mein Hirn auch gleich zur Organspende freigeben. – Mach dies, tu das. – Nein, das musst du aber so machen. – Das haben wir schon immer so gemacht. – Dass du ständig neuen Ideen haben musst!“, unbewusst äffte sie die Tiraden ihrer Mutter laut nach. „Nee, nee.“, trotzte sie in Gedanken weiter. „Die Litanei hab ich mir lange genug angehört. Nicht auszudenken, was erst gewesen wäre, hätte ich mit Martin eine Familie gegründet. Oh ja, ihm wäre das längst recht gewesen. Und wie! Noch dazu, wo wir mietfrei im Dachgeschoss hätten wohnen können. Damit wir auch bloß keinen Piep machen, ohne dass die Familie darüber Buch führt. Ein Leben unter ständiger Bewachung und Bevormundung. Nee, nee, ohne mich. Für kein Geld der Welt. Hast du das verstanden?“

Ja, ja, ich bin ja nicht schwerhörig… so wie du mich anschreist. Ich hab´s doch nur gutgemeint.“ 

„Und den Satz will ich auch nicht mehr hören! Nie mehr. Hörst du? Es geht mir gut. Ich verkaufe meinen Seelenfrieden nicht. Lieber friere ich mir den Allerwertesten ab. Basta. Der Winter hat nur noch zwei Monate. Allerhöchstens. Und manchmal ist es auch im März schon warm. 

„Hoffentlich … für dich meine ich.“, grummelte ihr innerer Kritiker und schwieg tatsächlich für einen Moment. 

„Auch, wenn der Weg kein leichter ist. Aufgeben kommt nicht in Frage. Irgendwann hab ich eine Story, die mir den Durchbruch verschafft. Und bis dahin ... geht´s schon irgendwie.“ 

„Aber sicher… mit 32 Jahren Lebenserfahrung und einem abgeschlossenen Studium. Kein Problem. Es gibt ja auch sonst keine Journalisten. Die warten alle nur alle auf dich.“

„Behalt deine Meinung für dich. Ich schaffe das schon. Punkt!“

Den Wunsch, Journalistin zu werden, hatte Anne schon sehr lange. In der 8. Klasse bekam sie die Aufgabe, für einen Aufsatz zu recherchieren. Es ging darum, das vorgegebene Thema so zu behandeln, als müsste sie eine Reportage für eine Zeitung schreiben. Der Lehrer war von ihrer Arbeit so begeistert, dass Anne ihren Aufsatz als einzige vor der ganzen Klasse vortragen durfte. Sie erhielt ein sehr gut dafür. Seit jenem Tag träumte sie davon, diesen Beruf zu ergreifen. 

Der Gedanke, zeitlebens im Büro der Landmaschinenwerkstatt ihrer Eltern zu sitzen, Rechnungen zu schreiben, und Termine zu vereinbaren, war ihr von jeher unerträglich. In einem Kaff nahe der ehemaligen Zonengrenze. Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr Monotonie und Tristesse. 

Na ja nicht ganz, aber trotzdem. 

„Da kann ich mich auch gleich einbalsamieren lassen.“, murmelte sie vor sich hin.

Sie wusste, wovon sie sprach. Nach dem Abitur machte sie – auf eindringlichen Wunsch der Eltern – eine kaufmännische Ausbildung. Nach drei Jahren praktischer Arbeit erbettelte sie sich dann das Journalismusstudium. Aber nur unter der Voraussetzung, dass sie weiterhin dem elterlichen Betrieb als Arbeitskraft zur Verfügung stand, was sie selbstverständlich tat. 

Und ja sie hatte ihren Freund verlassen. Nach sieben Jahren Beziehung. Nicht einfach nur so. Nein, sondern deshalb, weil sie es weder mit ihm noch in dem Kaff am Ende der Welt länger aushielt. Raus musste. Weg vom Elternhaus und weg von einem Mann, den sie am Ende zwar immer nochsehr gern hatte, aber unmöglich noch länger so tun konnte, als verbände sie mehr als Freundschaft. Platonische Freundschaft. Natürlich tat es ihr leid, ihn verletzen zu müssen. Wo er doch alles für sie tat. Alles, nur nichts Aufregendes. 

„Verdammt, ich bin eben nicht für die Provinz geboren. Warum versteht das denn keiner? Nur, weil alle meine Vorfahren Landeier sind?“, in ihrem Kopf kehrte einfach keine Ruhe ein. Frustriert ballte sie die Faust. 

„Und ich werde doch noch erfolgreich. Ha. Und jetzt gerade! Nein, so schnell schmeißt eine Anne Rehberg die Flinte nicht ins Korn.“ 

„Sehr amüsant, dein Zwergenaufstand“, hakte der Miesepeter ein, „aber bei den Jobs, die du bis jetzt an Land gezogen hast, sehe ich leider ganz schön schwarz für deinen Kontostand… äh Pardon, ich wollte rot sagen.“ Die Stimme bekam einen fiesen Unterton. „Ich sags ja nur ungern… und ich ziehe lediglich eine Bilanz der letzten vier Wochen. Korrigiere mich, wenn ich falsch liege. Also da wären: Eine Berichterstattung für den Kleintierzoo am Rammelsberg, ich glaube da gab´s ein erhöhtes Spendenaufkommen… nicht zu vergessen die Reportage im Seniorenheim, da hatte der Kirchenchor seinen großen Auftritt… und…“ 

„Ja ja“, Anne verteidigte sich jetzt laut gegen ihren inneren Dämon. „Ich hab dich verstanden. Du kannst aufhören. Ich fahre deswegen trotzdem nicht heim und bettele um Unterstützung. Basta. Halt endlich die Klappe! Ich hab gleich einen Termin. Kein Kaffeekränzchen im Altersheim. Nein. Sondern die Eröffnungsfeier einer Indoorhalle mit ´ner ganzen Menge gut aussehender Fußballprofis. Also! Noch Fragen?“ 

 

            Als sie schließlich auf das Eingangsportal des Sportcenters zuging, bebte sie vor Aufregung. Es fiel ihr schwer, ruhig zu atmen. Mit vor Anspannung weißen Fingerknöcheln umklammerte sie den Riemen der Fototasche und sah sich um. Ein grüner Teppich – kein roter – führte durch die offene Flügeltür, vor der zwei hohe säulenartige Blumenkübel mit Buchsbaumkugeln standen. Grün passte auch eindeutig besser zu einem Fußballturnier als Rot. Schließlich tummelten sich in dem riesigen Gebäude lauter Sportbesessene und keine Jury der Bambiverleihung. Fußballverrückte, die noch dazu Geld wie Heu haben mussten, wenn man sich den Fuhrpark vor der Halle ansah, der aus der ganzen Republik zu stammen schien und der sich auch noch an den Straßenrändern rund um das Sportcenter verteilte. Anne warf einen Blick auf ihre Armbanduhr und seufzte. Dass sie so lange brauchen würde, um einen Parkplatz zu finden, hatte sie nicht einkalkuliert. Völlig aussichtslos im unmittelbaren Umfeld des Geländes einen zu bekommen. Na ja, ehrlicherweise war es nicht nur die Sache mit dem Parken gewesen, weshalb sie nicht so gut in der Zeit lag. Viel zeitaufwendiger hatte sich die Suche nach dem richtigen Outfit gestaltet. Klamotten besaß Anne genug. Das Problem war, dass sie nicht mehr reinpasste. Seit Monaten entwickelte sich ihre Figur in die falsche Richtung. Das erschwerte die Auswahl erheblich und sorgte regelmäßig für absolute Frustration, wenn sie einen Außentermin mit einem gewissen Dresscode wahrnehmen musste. 

 

 

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